Es ist abends, still, Sie liegen im Bett, und plötzlich spüren Sie Ihr Herz. Es klopft, stolpert kurz, schlägt schneller. Sofort ist der Kopf hellwach: Was war das? Der Körper ist müde, aber innen läuft der Motor auf Hochtouren, und je mehr Sie darauf achten, desto deutlicher wird es.

Wenn Sie das kennen, sind Sie damit nicht allein. Ein Herz, das sich meldet, eine innere Unruhe, die nicht zur Situation passt, ein Nervensystem, das nicht mehr herunterschaltet. Bevor wir aber über Beruhigung sprechen, kommt der wichtigste Satz zuerst.


Zuerst zum Arzt

Herzklopfen, Herzstolpern und Herzrasen gehören ärztlich abgeklärt, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Nur ein Arzt kann feststellen, ob dem etwas Organisches zugrunde liegt. Gehen Sie bitte zeitnah oder im Notfall sofort zum Arzt oder rufen die 112, wenn das Herzklopfen zusammen mit Druck oder Schmerz in der Brust auftritt, mit Atemnot, mit Schwindel oder Ohnmacht, wenn es sehr schnell und anhaltend ist oder wenn bei Ihnen eine Herzerkrankung bekannt ist.

Ich behandle keine Herzerkrankung und nehme auf den Herzrhythmus keinen Einfluss. Das ist und bleibt Sache Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes. Worum es hier geht, beginnt erst danach: Wenn organisch alles abgeklärt ist und das Herz gesund, bleibt bei vielen Menschen ein anderer Anteil übrig, ein überreiztes Nervensystem, das den Körper nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Genau dort setze ich an.


Was ein überreiztes Nervensystem ist

Ihr vegetatives Nervensystem hat zwei Seiten. Die eine gibt Gas, der Sympathikus, zuständig für Wachheit, Anspannung, Leistung. Die andere bremst, der Parasympathikus, zuständig für Erholung, Verdauung, Schlaf. Im gesunden Wechsel spielen beide zusammen wie Gaspedal und Bremse.

Unter Dauerbelastung bleibt das Gaspedal gedrückt. Stress, Sorgen, zu wenig echte Erholung, und irgendwann steht das System dauerhaft unter Strom. Stellen Sie sich eine Alarmanlage vor, die so empfindlich eingestellt ist, dass schon ein vorbeifahrendes Auto sie auslöst. So arbeitet ein überreiztes Nervensystem. Ein kleiner Reiz, ein einzelner Gedanke, und der Körper schaltet in volle Alarmbereitschaft, obwohl keine Gefahr besteht. Das Herz schlägt kräftiger, die Schultern spannen, der Atem wird flach.

Das Herzklopfen, das Sie dann spüren, ist in vielen Fällen nicht das Zeichen einer Herzkrankheit, sondern der spürbare Ausdruck dieser Daueranspannung. Der Körper meldet, dass die Bremse zu selten zum Einsatz kommt.


Der Kreislauf aus Spüren und Sorge

Hier entsteht ein Muster, das ich in der Praxis oft sehe. Sie spüren einen Extraschlag. Sofort schießt die Sorge hoch: Stimmt etwas nicht? Diese Sorge ist selbst ein Stressreiz, sie tritt aufs Gaspedal, und der Körper reagiert mit noch mehr Anspannung. Sie achten noch genauer auf das Herz, spüren den nächsten Schlag noch deutlicher, und der Kreis dreht sich weiter.

Das ist kein Einbildungsproblem, sondern eine reale Schleife zwischen Wahrnehmung und Stressreaktion. Und weil sie sich über die Aufmerksamkeit selbst füttert, lässt sie sich auch dort unterbrechen: indem der Körper lernt, wieder in den Ruhemodus zu finden, und die Aufmerksamkeit etwas anderes zu tun bekommt.


Wie die TCM darauf schaut

In der chinesischen Medizin gilt das Herz als Sitz des Shen, des wachen Geistes. Ist der Mensch innerlich ruhig, ruht das Shen sicher an seinem Platz. Bei anhaltender Anspannung, Schreck oder Grübeln ist das Shen nach diesem Bild nicht mehr verankert, es wird unruhig, und mit ihm der ganze Mensch. Innere Unruhe, Herzklopfen, kreisende Gedanken und schlechter Schlaf gehören aus dieser Sicht zusammen.

Das ist ein Denkmodell, kein anatomischer Befund. Aber es beschreibt erstaunlich genau, was Menschen erleben, und es zeigt, wo man ansetzen kann: nicht am Herzen selbst, sondern an der Beruhigung des gesamten Systems.


Was Sie selbst tun können

Das Wirksamste braucht keine Hilfsmittel, nur ein wenig Übung: das lange Ausatmen. Atmen Sie ruhig durch die Nase ein und dann deutlich länger durch leicht geöffnete Lippen aus, als blasen Sie eine Kerze ganz langsam aus. Der Ruheteil des Nervensystems wird vor allem in der Ausatemphase angesprochen. Sechs bis acht solcher Atemzüge, und Sie merken oft schon, wie es eine Spur ruhiger wird. Wird Ihnen schwindelig, machen Sie eine Pause.

Dazu drei Punkte, die in der TCM als beruhigend gelten und die Sie sanft für ein bis zwei Minuten halten können.

"Herz 7" (He 7) liegt an der Innenseite des Handgelenks, in der Beugefalte auf der Seite des kleinen Fingers. Sein Name Shenmen bedeutet Tor zur inneren Ruhe. In der TCM ist er der Punkt, um den Geist zu beruhigen, bei Nervosität, Ängstlichkeit und Unruhe.

"Perikard 6" (Pe 6) liegt an der Innenseite des Unterarms, etwa drei Fingerbreit oberhalb der Handgelenksfalte, mittig zwischen den beiden tastbaren Sehnen. Er gilt als Punkt, der innere Unruhe und ein Engegefühl in der Brust löst, und wird traditionell auch bei Übelkeit genutzt.

"Yintang" liegt mittig zwischen den Augenbrauen. Legen Sie die Fingerkuppe nur ruhig auf, ohne zu drücken, bis Sie ein leichtes Pulsieren spüren. Er hilft, das kreisende Gedankenkarussell langsamer werden zu lassen.

Wenn die Brust eng wird, können Sie zusätzlich KG 17 in der Mitte des Brustbeins auf Höhe der Brustwarzen sanft halten. Und wer mag, gibt einen Tropfen Lavendelöl auf die Handinnenseiten, in der Aromatherapie gilt es als klassisches Ruheöl.

Das alles ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es ist Hilfe zur Selbstberuhigung, nicht mehr und nicht weniger.


Wie ich in der Praxis arbeite

Wenn organisch alles abgeklärt ist und die Anspannung bleibt, arbeite ich in meiner Praxis in Nagold-Iselshausen daran, das Nervensystem wieder in den Ruhemodus zu bringen. Nicht am Herzen, sondern an dem, was drumherum verspannt ist und den Körper im Alarm hält.

Ich löse die faszialen Spannungen im Brustkorb, im Zwerchfell und in den Schultern, die das freie Atmen behindern, und setze gezielte Akupressur an beruhigenden Punkten. Dabei folge ich der Reaktion Ihres Gewebes, statt ein festes Schema abzuspulen. Wo es passt, kommen Gitterpflaster dazu, die den Effekt zwischen den Terminen halten. Das Ziel ist einfach: der Bremse wieder mehr Raum geben, damit der Körper von selbst herunterschalten kann.

Das ist eine ergänzende Arbeit. Sie tritt neben Ihre ärztliche Behandlung und nicht an ihre Stelle. Wie Akupressur grundsätzlich arbeitet und auf welchen Punkten, lesen Sie auf meiner Seite zur Akupressur.


Wann eine Behandlung sinnvoll ist

Rufen Sie mich an, wenn Ihr Herzklopfen ärztlich abgeklärt und organisch unauffällig ist, die innere Unruhe aber bleibt, wenn Sie unter Daueranspannung stehen und schlecht abschalten können, wenn der Schlaf leidet oder wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Nervensystem käme einfach nicht mehr zur Ruhe.

Im ersten Termin nehme ich mir neunzig Minuten Zeit. Ich höre mir Ihre Geschichte an, taste die Spannungsmuster in Brustkorb, Zwerchfell und Schultern ab und wir finden heraus, was Ihrem System hilft, wieder herunterzufahren. Daraus ergibt sich ein Vorgehen aus ruhiger Körperarbeit, Akupressur und einfachen Übungen für zu Hause. Wie viele Termine sinnvoll sind, zeigt der Verlauf. Die Behandlung ist sanft und lässt sich gut mit einer bestehenden ärztlichen Behandlung kombinieren.


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